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An der 4. Gesamtschule wird der erste Jahrgang entlassen

Aachener Nachrichten vom 08.07.2017

Rund 80 Schüler haben die Klasse 10 mit Erfolg beendet, etwa 43

Prozent von ihnen sind so gut, dass sie in den kommenden drei

Jahren an ihrem Abitur arbeiten können. Diese erste Abschlussfeier

an der 4. Aachener Gesamtschule war ganz offensichtlich etwas

Besonderes für alle Beteiligten.

 

Die Stimmung war gut als die Abschlussschüler einer nach dem
anderen die Treppe zur Aula hinabstiegen, um sich dort mit einem
Riesen-Applaus empfangen zu lassen: Die Mädels in festlichen
Kleidern, die jungen Männer in dunklen Anzügen. Für Schulleiter
Bennemann ist dieser Tag offensichtlich auch eine Genugtuung.
Anders als herkömmlich 2001 war er mit einem Konzept für die 4. Aachener Gesamtschule angetreten, das sich deutlich von herkömmlichen Modellen
unterscheidet. Statt Unterricht in Klassen gibt es hier
Lernwerkstätten und Lernbüros, wobei die Schüler die
Verantwortung für ihr Lernen und ihre Fortschritte selbst
übernehmen. „Das ist nicht immer leicht“, sagt die 17-jährige Nadja
Cehlius. „Am Anfang war die Umstellung schon ganz schön
gewöhnungsbedürftig“, meint sie weiter, aber nach einigen Monaten
sei sie gut mit dem System zurecht gekommen. Dass sie ihre
Lernfortschritte selber organisieren musste, hat ihr gut gefallen,
auch wenn sie einräumt, dass dieser Weg sicher nicht für jeden der
richtige sei. „Es gibt auch Schüler, die genaue Anweisungen
brauchen“, sagt sie.
Für Nils Noah Hess (16) war die 4. Aachener Gesamtschule ein
ausgesprochener Glücksfall. Er kam mit einer Hauptschulempfehlung
und nahm das „etwas andere System“ in Kauf, weil er hier im
Gegensatz zu anderen Schulen einen Platz bekommen hatte. „Ich
bin sehr zufrieden mit dem, was ich erreicht habe“, sagt er heute.
Das selbstständige und eigenverantwortliche Lernen hat ihn enorm
weitergebracht. Dabei hebt er besonders die Betreuung durch die
Tutoren hervor, deren Beratungsstunden sogar im Stundenplan
verankert sind.
„Schule ohne Pausenschelle“
Mit den Gesamtergebnissen dieser ersten Abschlussrunde ist
Bennemann mehr als zufrieden. „Nur zwei Schüler kamen 2011 mit
einer Empfehlung fürs Gymnasium“, sagt er. Dass jetzt 43 Prozent
der Schüler aus den zehnten Klassen die Chance haben, Abitur zu
machen, sieht er als Beweis, dass das Konzept seiner Schule
funktioniert. Gerne spricht er von der „Schule ohne Pausenschelle“,
bevor er dann in seiner Rede darauf zu sprechen kommt, was

„Lernen“ eigentlich bedeutet.