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Schüler sind 17 Tage lang ohne Eltern und Lehrer unterwegs

Aachener Zeitung, 24. September 2017

Aachen. 17 Tage waren sie auf sich gestellt, ohne Lehrer und Eltern. Inzwischen sind die 108 Schüler der 4. Gesamtschule Aachen wieder wohlbehalten zuhause – und um viele Eindrücke reicher. Herausforderungen alleine meistern, selbst etwas ausprobieren, das ist das Ziel des Projektes „Herausforderung“, das die Schule in diesem Jahr zum zweiten Mal in den neunten Klassen durchführte.

Und die größte Herausforderung war für fast alle Gruppen das Wetter. „Im letzten Jahr hatten wir in der Zeit nur Sonne, dieses Jahr war es genau andersherum“, meint Torsten Stahlmann, der das Projekt koordiniert. Zahlreiche Schüler hatten statt mit Sonnenbrand mit Erkältungen zu kämpfen, die Hamburger Gruppe geriet gar mitten in das Unwetter, das zu der Zeit an der Nordseeküste tobte.

Vom Dauerregen erwischt

Die Gruppe, die sich das niederländische Middelburg als Ziel ausgesucht hatte, wurde vom Regen voll erwischt. Ihnen kam das Überzelt abhanden, Ausrüstung und Kleidung waren völlig aufgeweicht, so dass sie vorzeitig die Rückkehr antraten.

Auch Louisa und Gina hatten auf ihrer Tour etwas Pech: Die beiden waren mit ihrer Neuner-Gruppe eigentlich Richtung Amsterdam aufgebrochen, doch unterwegs wurden zuerst zwei Fahrräder geklaut, dann machte ein herabfallender Ast auf dem Campingplatz das Zelt platt. Bis Den Haag sind sie trotzdem gekommen. Und die beiden 14-Jährigen würden das Abenteuer auch wiederholen: „Allerdings würde ich weniger Gepäck mitnehmen, ich hatte viel dabei, was ich nicht gebraucht habe“, meint Gina rückblickend.

Marvin, Zeynep und Finja hatten sich eine Englandreise als Herausforderung gesucht. Ihr Konzept, aktiv ihre Englischkenntnisse anzuwenden, hatte schließlich überzeugt. Das Budget stockten die Schüler mit einem Waffelverkauf auf, die Tickets für den Eurostar wurden aus dem Projekttopf bezahlt. „Interessanterweise hatte die Gruppe auch das beste Wetter“, bemerkt Stahldorf.

Bis Ashford ging es mit dem Zug, dann mit dem Fahrrad durch die Grafschaft Kent. Beeindruckt hat die Schüler die Hilfsbereitschaft der Menschen, die die Schüler bei der Organisation der Übernachtungsmöglichkeiten unterstützten. Für Zeynep waren die 17 Tage eine „gute Erfahrung. Aber wenn ich das nochmal machen würde, würde ich das mit besserer Ausrüstung machen“.

Ganz auf sich allein gestellt sind die Schüler allerdings nicht: Die Gruppen werden von Studenten begleitet. Zwei von ihnen sind Miriam Hindriks (25) und Jasmin Willner (22). Für das Projekt ist Miriam extra aus Osnabrück angereist, wo sie Physik und Biologie auf Lehramt studiert: „Es war eine spannende Erfahrung, sich auch mal darauf einzulassen, die Führung abzugeben und die Schüler machen zu lassen. Das hat man als Lehrer so eigentlich nicht.“

Auch für Emmanuel hat sich die Herausforderung gelohnt. Er verbrachte die 17 Tage in einem Sport-Internat in Paderborn. Da auch er das Budget etwas gesprengt hat, half er in der Küche und in der Geschäftsstelle aus. Damit ist der 14-Jährige, der bei der Basketballmannschaft der ATG spielt, seinem Traum ein Stück näher gekommen. „Von den Schülern am Internat bin ich gut aufgenommen worden. Ich war dort einer der jüngsten, aber ich konnte gut mithalten“, erzählt er.

Ihre Eindrücke haben die Gruppen in einem Video festgehalten. Das dient nicht nur der persönlichen Erinnerung, sondern auch der Vorbereitung der nächsten Runde im Projekt.

Denn die Achtklässler bereiten sich langsam auf ihre „Herausforderung“ im kommenden Jahr vor. „So können sie Ideen sammeln, was überhaupt machbar ist. Außerdem ist das auch ein Stück Überzeugungsarbeit für die Eltern“, erläutert Schulleiter Hanno Bennemann.