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Ein Instrument als Schulfach

Aachen. Trommeln sind ganz besondere Instrumente, wie jetzt die 4. Aachener Gesamtschule mit einem neuen musikalischen Ansatz zeigt, denn in dem Instrument aus Holz, Leder und Schnüren stecken verborgene Kräfte. In diesem Schuljahr wird dort Trommeln deswegen nun fest in den Musikunterricht integriert – mit großen Erwartungen.

 

 

Diese weckt vor allem der Trommellehrer Aristides Papanikolaou. Er ist ein ruhiger Mann, aber die Begeisterung für sein Instrument ist in jedem Augenblick spürbar, selbst wenn er gerade einmal nicht darauf spielt. Eine Kostprobe hat er mit einer kleinen Gruppe von Schülern im Foyer der Gesamtschule geboten. Nach nur anderthalb Stunden gemeinsamer Übung spielten sie zusammen ein fünfminütiges Stück aus den Handgelenken heraus.

Positiv überrascht

Nicht nur ihre Mitschüler, sondern auch Schulleiter Hanno Bennemann zeigte sich positiv überrascht: „Mit Lob kommt man bei den Schülern ja generell weiter als mit Tadel. Daher ist das sicherlich ein guter Ansatz, wenn man ihnen zeigt, dass sie etwas können – und das schon nach so kurzer Zeit“, sagte er.

In die Schule gebracht hat die Idee der Sonderpädagoge Matthias Kömhoff, der den Trommellehrer Papanikolaou am Rande eines seiner Konzerte kennen gelernt hatte. Er hat schließlich mit der Schulleitung zusammen diese erste kleine Trommelgruppe ins Leben gerufen und gleichzeitig eine Crowdfunding-Aktion gestartet, um Geld für genügend Trommeln zu sammeln.

Mit Hilfe vieler freiwilliger Spender sowie der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen und der Sparda-Bank kamen am Ende rund 7000 Euro zusammen, um das Angebot für die Schüler auf stabile Beine zu stellen. Auf lange Sicht, sagt Kömhoff, sollen aber möglichst alle Kinder damit erreicht werden, alleine schon wegen den achgewiesen positiven Effekte für Gesundheit und Gemüt.

„Nach einer halben Stunde Trommeln verändert sich der Mensch – das kann man deutlich sehen“, bestätigt Papanikolaou. Schon nach diesen wenigen Übungen merke man, wie die Kinder ein Gefühl für Klangräume

bekämen und selbst anfingen, zu improvisieren. Und nicht nur das: „Trommeln ist wie ein Hebel, der unter die Persönlichkeit geht und diese wieder an den Tag bringt“, sagt er.

Was sich für manche nahezu esoterisch anhören mag, ist aber die persönliche Erfahrung, die Papanikolaou selbst gemacht hat und an einer Vielzahl seiner Schüler schon beobachten konnte. Nicht ohne Grund, fügt

er hinzu, seien Menschen in Ländern wie Kuba oder Brasilien, in denen die Musik einen hohen Stellenwert hat, oft fröhlicher und befreiter.

Musikalisches Fundament

Vorerst bis Anfang Juli des kommenden Jahres wird er nun an der Gesamtschule Gruppen von jeweils 20 Schülern vier Stunden die Woche an der Trommel unterrichten. „Es ist auch egal, wenn sie danach ein anderes Instrument lernen, das musikalische Fundament ist damit gelegt.“

Neben Rhythmus, Atmung und Körpergefühl werde über die Musik nämlich auch Geografie, Sprache und Herkunft kommuniziert, erklärt Papanikolaou. Und selbst wenn man aus der Trommel nur wenige unterschiedliche Klänge hervorbringen kann, ist er überzeugt: „Mit drei Tönen werden wir Aachen verändern.“